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Figuren-Theaterkabarett

Blökenhusen ist überall

Bad Segeberg. Für die Kultur eine Ein-Euro-Kraft, politische Entscheidungen werden am Stammtisch und im Schützenverein getroffen sowie eine seltsame Idee einer Werbeagentur für die Tourismuswerbung – Jens Heidtmann, der mit seinem Figuren-Theaterkabarett-Programm „Da kann man nicht meckern“ bei der letzten Veranstaltung der aktuellen Saison „Kultur überm Markt K1,5“ in der Aula der Dahlmannschule zu Gast war, schien vor seinem Auftritt in der Kalkbergstadt recherchiert zu haben, denn es gab reichlich Parallelen zwischen seinem fiktiven Ort Blökenhusen an der Hupe und Bad Segeberg.

Doch der Bühnenkünstler kennt das Kleinstadtleben aus seinem eigenen Wohnort Winsen an der Luhe. „Was Hans-Christian Wulff gemacht hat, war nicht korrekt, aber auf lokaler Ebene geht es noch ganz anders zu“, sagte er in der Pause. Einmal hat sogar ein Bürgermeister in Norddeutschland seinen Auftritt zu verhindern versucht. So war es verständlich, aber bedauerlich, dass sich niemand von der lokalen Politprominenz in der Aula der Dahlmannschule blicken ließ. Überhaupt war die Besucherzahl mit knapp 100 im Vergleich zu den vorherigen Veranstaltungen gering, dabei bot Heidtmann, der als ein Teil des Duos „Männergestalten“ große Erfolge gefeierte hatte, Kabarett vom Feinsten mit viel Biss und noch mehr norddeutschem Einschlag.

Denn mit echter norddeutscher Schnauze kam er auf die Bühne als Wilfried Putensen, die kulturelle Ein-Euro-Kraft der Kleinstadt Blökenhusen, um dem Publikum die „terroristischen – Entschuldigung: touristischen Attraktionen“ der Gemeinde vorzustellen. Mit solchen kleinen Versprechern begannen seine Erläuterungen über die Verfilzungen in der Gemeinde. So schilderte, wie das giftige Dreckloch einer ehemaligen Tongrube zu einer Wellnessanlage wurde, dem See Hupe. Als „Phönix aus dem Altöl“ bezeichnete er das Gewässer, das bei der Suche nach einem Namen durch einen Schreibfehler erst zu „Pupe“ wurde – zur Freude der Journalisten, diese titelten: „Blökenhusen pupst!“

Sein satirischer Blick auf die Kleinstadt wurde durch „kulturelle Einlagen“ ergänzt, bei denen er sich als Puppenspieler betätigte. So stellte er einen Vogel im Käfig vor, der von seiner Freiheit träumt, doch als sich der Käfig öffnet, hat er Angst davor. Bitterböse die Szene zweier weißer Kaninchen, von denen eines im Hitler-Sprachstil von der Überlegenheit der weißen Kaninchen-Edelrasse spricht und darauf verweist, dass im Versuchslabor noch alle Arbeit hatten. Von Kenner der Männergestalten gab es ein Wiedersehen mit dem Rentner Willi, die über das Rauchen im Altersheim und seine Chancen bei Frauen monologisierte. Skurril eine Spielszene um eine ehemalige Zuckerdose, die ihr Dasein als Aschenbecher auf der Toilette des Altersheimes fristete. Umrahmt wurden die kulturellen Szenen von Sponsorensprüchen und dem Jingle „Schönes Blökenhusen“, der sich wie ein Ohrwurm in den Köpfen des Publikums festsetzte und deshalb von manchen auch mitgesungen wurde.

Mit seinem Porgramm stellte sich Heidtmann als vielseitiger Künstler vor, der sowohl Puppenspiel, politisches Kabarett und Theater unter einen Hut zu bringen vermochte. Besonders gelungen war seine Darstellung des Norddeutschen und dessen Umgangssprache. Da war die Internetseite noch eine buchstabengetreue „Homepage“ und keine englische „Houmpäitsch“und der französische Wein hieß „Kaubernet Sauwignon“ und nicht ausländisch ausgesprochen „Kabernee Sowinjon“. Zur Erinnerung hatte er sogar noch Aufkleber aus Blökenhusen mitgebracht, von denen sicherlich einige in den nächsten Tagen auch in der Kalkbergstadt zu sehen sein dürften. pjm

BUs:

Jens Heidtmann stellte als Wilfried Putensen, die kulturelle Ein-Euro-Kraft der Kleinstadt Blökenhusen, die Schönheiten und politischen Geschehnisse der Gemeinde vor.

In einer „kulturellen Szene“ monologisierte ein Käfig-Vogel über die Freiheit.

Jens Heidtmann stellte als Wilfried Putensen, die kulturelle Ein-Euro-Kraft der Kleinstadt Blökenhusen, die Schönheiten und politischen Geschehnisse der Gemeinde vor.

Die Puppe Rentner Willi, gespielt von Jens Heidtmann, sprach über das Rauchen im Altersheim.

Ein weißes Kaninchen sprach im Hitler-Tonfall zu seinem Käfigkollegen über die Überlegenheit der „weißen Edelrasse“.

Die Puppe eines beleibten Mannes beobachtete aus einem Fenster seinen Hund beim Gassigehen.

Jens Heidtmann stellte als Wilfried Putensen, die kulturelle Ein-Euro-Kraft der Kleinstadt Blökenhusen, einen Werbesong zu der Gemeinde vor.

Eine ehemalieg Zuckerdose klagte ihr Leid als Aschenbecher auf der Toilette eines Altersheims gestrandet zu sein und versuchte eine Klopapierrolle anzubaggern.

Die Puppe Rentner Willi, gespielt von Jens Heidtmann, sprach über das Rauchen im Altersheim.

Wir danken Herrn Strehmel von der Segeberger Zeitung für die überlassung der Rohfassung seiner Kritik und seiner Bilder.