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Puppen etc.

Ringelnatz auf dem Puppenschiff

Vor wenigen Tagen gab es in der Remise Texte von Joachim Ringelnatz in gesungener Form, nun als Puppenspiel umgesetzt von dem Duo „Puppen etc.“ aus Lübeck auf der Bühne der Aula der Dahlmannschule. Die beiden Spielerinnen und Schauspielerinnen Meike Grund und Christiane Klatt bereiteten mit ihrem Programm „Von Dingen, die du eben noch nicht wusstest“ der mittlerweile vierten Saison von K1,5 Kultur überm See einen erfolgreichen Start in die neue Spielzeit. Denn die Aula war mit rund 300 Besuchern ausverkauft. Darunter auch 120 Schüler aus vier Klassen des Gymnasiums, die in den Tagen vorher an einem Workshop mit den beiden Puppenspielerinnen teilgenommen hatten.

Passend zu Ringelnatz, der vor allem durch seine Seemannsfigur Kuddel Daddeldu bekannt ist, stand auf der Bühne ein Schiff und traten die beiden Frauen in gestreiften Matrosen-T-Shirts auf. Ringelnatz persönlich tauchte gespielt von Frau Grund immer wieder in Form einer großen Puppe auf, die allerdings etwas an den früheren deutschen Außenminister Joseph „Joschka“ Fischer.

Ermöglicht durch die Schiffskulisse hatten die beiden Puppenspielerinnen mehrere Ebenen zur Verfügung um die etwa 50 verschiedenen Texte von Ringelnatz umzusetzen. So unterhielten sich mehrmals sprechende Eier auf der obersten Ebene, aus einem Bullauge gab es zwei Mal Schattenspiele und aus einer Luke heraus stellte Frau Klatt einen enttäuschten Badegast dar oder Frau Grund räkelte sich in einer Badewanne, die vorher als geographisch schlecht bewandert vorgestellt wurde, und eine Espressomaschine hielt einen Monolog über sich. An der Reling wiederum machte sich ein faules Krokodil breit und eine von Frau Grund geführte Männerpuppe sprach über sein Terrbarium.

Am skurrilsten in der Darstellung war die Geschichte vom Sauerampfer aus „Arm Kräutchen“. Nur mit Geräuschen eines fahrenden Zuges unterlegt wurde die Geschichte des Pflänzchens am Bahndamm geschildert. „Ich hab dich so lieb“ kam ebenfalls ohne gesprochene Worte, sondern in Gebärdensprache über die Bühne. Den meisten Spaß hatten die jungen Zuschauer, als Frau Klatt ihnen wie beim Kinderfernsehen Tipps gab für das „Maikäfermalen“ und forderte „Kinder, ihm müsst euch mehr zutrauen!“. Bedrückend still wurde es bei „Der traurige Onkel“, dass als reines Fingerspiel die Annäherung eines älteren Mannes an ein minderjähriges Mädchen thematisierte.

Auf heitere und unterhaltsame, bis nachdenklich und sogar mal traurige Weise nahmen Meike Grund und Christiane Klatt ihr Publikum in die Welt von Ringelnatz. Dadurch wurde der Autor, der von 1883 bis 1934 gelebt hat auch denen vertraut, die noch nicht viel von ihm gehört hatten. So war es fast bedauerlich, als nach knapp zwei Stunden das Programm endete. Als Zugabe hatten die beiden den „Bumerang“ dabei, den sie verbal ins Publikum warfen, doch anders als im Gedicht, wo das Publikum auf die Rückkehr des Flugholzes wartet, machten sich die Besucher lieber auf den Heimweg.

Wir danken Herrn Strehmel von der Segeberger Zeitung für die überlassung der Rohfassung seiner Kritik.